Voreingenommenheit gegenüber Männern in der Gesundheitsforschung: Erlebnisse eines Forschers

Anders als in vielen Medien behauptet, ist die Frauengesundheit keineswegs untererforscht. Vielmehr sei die Empathielücke gegenüber Männern dafür verantwortlich, dass Forschungsinstitute und Behörden der Frauengesundheit so viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Das schreibt der Sportwissenschaftler James L. Nuzzo in einem Beitrag für das Magazin des britischen Center for Male Psychology.

Immer wieder wird behauptet, es gäbe Nachholbedarf bei der Frauengesundheit. Wahr ist, dass lange Zeit wenig geschlechtsspezifische Forschung betrieben wurde und an Untersuchungen vor allem Männer teilnehmen. Teilweise auch deshalb, weil sie ihre eigene Gesundheit selbst für weniger wert halten als die einer Frau. „Volunteer Bias“, nennt James L. Nuzzo das. Zur geringen Teilnahme von Frauen an Experimenten in den Sportwissenschaften hat er eine eigene Arbeit veröffentlicht, Volunteer Bias and Female Participation in Exercise and Sports Science Research.

Bei der geschlechtsspezifischen Forschung – und bei geschlechtsspezifischen Angeboten wie Vorsorgeuntersuchungen – sind Frauen dagegen eindeutig besser gestellt. Von 1970 bis 2018 tauchte der Begriff „Männergesundheit“ 1.555 Mal in Abstracts oder Titeln von biomedizinischen Forschungsarbeiten auf, „Frauengesundheit“ dagegen 14.501 Mal, also fast zehnmal so häufig. Es gibt in den USA außerdem keine einzige nationale Gesundheitsbehörde, die sich der Männergesundheit widmet, aber mehrere für die Frauengesundheit. Ausgewertet hat James L. Nuzzo auch die Twitter-Konten der Vereinten Nationen. 69 widmen sich Frauenthemen, kein einziger Themen wie der Männergesundheit.

In Deutschland ist die Situation nicht viel besser. Frauengesundheitsberichte werden zahlreiche erstellt, der letzte Männergesundheitsbericht des Robert Koch-Instituts ist dagegen mehr als zehn Jahre als und weitere sind nicht geplant.

Diese verdammten Daten!

James L. Nuzzo widerlegte auch die Behauptung, dass es erst 1975 eine Studie zum Thema Frauensport gegeben habe. Tatsächlich gab es zwischen 1930 und 1975 bereits 33 solcher Untersuchengen.

Verdammte Daten, ich weiß, dass Frauen zu wenig untersucht werden, und Sie werden mich nicht vom Gegenteil überzeugen. Wahrnehmungen geht vor Daten.

Kommentar zu einer empirischen Untersuchung von James L. Nuzzo, in der dieser mehrere Mythen über eine angebliche Vernachlässigung von Frauen in wissenschaftlichen Untersuchungen widerlegte.

Interessant sind die Reaktionen, die James L. Nuzzo als Antwort auf seine Forschung erhielt. Ein Paper wurde von einer Fachzeitschrift mit der Begründung abgelehnt, dass es der Wahrnehmung eines Gutachters widerspreche. Dieser behauptete, die gewühlte Wahrheit müsse Vorrang vor empirischen Daten haben.

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