Bild eines Soldatenfriedhofs

Moral, Menstruation und Männergesundheit (und Sport)

Wird das Thema Männergesundheit in der Politik vernachlässigt? Gibt es ein hohes Maß an Doppelmoral, weil so viel über Gleichstellung der Geschlechter in Sport, Politik und Wirtschaft geredet wird, aber nichts unternommen wird, um den hohen Unterschied in der Lebenserwartung zu reduzieren? Oder ist es einfach kein Thema für Gleichstellungspolitik, weil die sich nur um Gleichberechtigung und nicht um Gleichstellung kümmern soll, wie in meiner Umfrage bei den Parteien vor allem vonseiten der Grünen behauptet? Schließlich seien die wesentlichen Gründe für die unterschiedliche Lebenserwartung primär in unterschiedlichen Verhaltensweisen begründet und zum Teil vermutlich auch in der Biologie.

Spoileralarm: Die geringe Bedeutung des Themas Männergesundheit ist falsch!

Man darf es Doppelmoral nennen – nein, man muss

Es gibt vieles, was man an der vorherrschenden Ansicht kritisieren kann, dass die Geschlechterungleichheit in Wirtschaft und Politik bekämpft werden müsse, die bei der Lebenserwartung aber nicht. Ich schenke mir das aber, denn nichts macht die doppelten Standards so deutlich wie das Beispiel Profisport.

Etwas vereinfacht gesagt sind Männer im Durchschnitt stärker als Frauen, Frauen dagegen in gesundheitlichen Dingen zäher. Das letzte Wort ist darüber noch nicht gesprochen, aber es scheint, als ob die längere Lebenserwartung von Frauen zumindest in Teilen auch biologische Ursachen hat. Die gute Nachricht für Männer: der größte Teil des Unterschieds von fünf Jahren scheint verhaltensbedingt, kann also geändert werden. Doch es scheint auch biologische Ursachen zu geben. So sind Frauen deutlich weniger anfällig für Herzkrankheiten und sterben seltener am SARS-CoV2-Virus (und auch seltener am alten SARS oder an MERS).

Es ist deshalb spannend, die Diskussionen um Geschlechterunterschiede im Sport und bei der Lebenserwartung zu vergleichen. Das längere Leben der Frauen ist, wie wir gesehen haben, für die meisten Parteien und Medien kein Thema. Die Stiftung Männergesundheit macht eine gute Arbeit, wird aber kaum wahrgenommen und nur wenig von öffentlichen Stellen unterstützt. Sie lebt hauptsächlich von privatem Engagement. „Selber schuld“ und „ist nun mal die Biologie“, sind die häufigsten Kommentare zur unterschiedlichen Lebenserwartung, die ich höre. Ich möchte mich der zweiten Aussage zuwenden. Nicht, weil man über die erste nicht auch diskutieren sollte, sondern weil die zweite die Doppelmoral so offensichtlich macht.

Männer beim Sport
Männer bringen in den meisten Sportarten höhere Leistungen. Dürfen sie deshalb mehr verdienen?

Denn beim Sport wird ganz anders diskutiert. Hier behauptet niemand, Geschlechterunterschiede dürfe man nicht abmildern. Als Durchbruch in Sachen Gerechtigkeit empfand es die Zeitschrift Cicero, dass in Irland Fußball-Nationalspielerinnen jetzt die gleiche Prämie erhalten wie ihre männlichen Kollegen. Das müsse noch weitergehen, damit Männer und Frauen für gleiche Leistung auch das gleiche Geld erhalten, so der Autor. Ein Thema, das Bündnis90/Die Grünen schon vor Jahren auf einem Wahlplakat aufgenommen hatte.

Auch im Dokumentarfilm „The Red Pill“ über die Männerbewegung in den USA beklagt ein Feminist die ungleiche Aufmerksamkeit und die ungleichen Verdienste im Sport.

Nun sind die Leistungen von Männern und Frauen eben nicht gleich. Im 100-Meter-Lauf liegt der Weltrekord bei 9,58 Sekunden, so schnell lief Usain Bolt 2009 in Berlin. Der Weltrekord der Frauen liegt seit 1988 bei 10,49 Sekunden. Der Unterschied beträgt also fast eine Sekunde. Ohne es überprüft zu haben, vermute ich, dass Weltrekordlerin Florence Griffith-Joyner sogar deutlich mehr Geld verdient als ein Mann, der die 100 Meter ebenfalls in 10,49 Sekunden läuft.

Rücksicht auf die Schwachen beim Sport, aber nicht bei der Gesundheit?

Ich sehe schon, wie meine Rechnung für Kopfschütteln sorgt. „Man kann die Leistungen von Männern und Frauen doch nicht so direkt vergleichen!“, „Das ist wie Äpfel und Birnen vergleichen“, „Für eine Frau sind 10,49 Sekunden genauso gut wie 9,58 für einen Mann“ oder „Man muss doch auf die Geschlechtsunterschiede Rücksicht nehmen“. Das kann man so sehen, bringt mich zu der Frage, warum dann auf die höhere Anfälligkeit von Männern bestimmten Krankheiten gegenüber keine Rücksicht genommen werden darf?

Wenn im Sport mehr Rücksicht auf Geschlechterunterschiede genommen werden muss, warum darf dann im Bereich Gesundheit keine Rücksicht auf Männer genommen werden?

Männer sind in Sachen Gesundheit das schwache Geschlecht. Aber als der Schriftsteller Ralf Bönt forderte, den Risikofaktor „Mann“ bei der Impfkampagne gegen SARS-CoV2 zu berücksichtigen, geriet eine ihn interviewende Journalistin des WDR erkennbar in Wut. Auch sonst ist in der Berichterstattung zum Thema Gendergesundheit vor allem die Frauengesundheit das große Thema. Begründet wird das damit, dass die Behandlung in der Vergangenheit oft auf Männer ausgerichtet gewesen sei. Obwohl Männer fünf Jahre vor den Frauen sterben, erstellt das Robert Koch-Institut nur einen Frauengesundheitsbericht.

Sportler im Fitnessraum
Dass Männer im Leistungssport bessere Ergebnisse erzielen, hat nicht nur, aber auch biologische Ursachen. Hinzu kommt, dass Männer Sport öfter leistungsorientiert betreiben. Aus Gesundheitssicht ist das nicht nötig. Auch wer kein Leistungssportler werden kann, sollte Sport treiben.

Grundsätzlich ist die gesonderte Betrachtung der Geschlechter richtig, aber die Konzentration auf Frauengesundheit falsch. Erstens ist fraglich, ob die Gesundheitsvorsorge von Männern wirklich besser ist. Bei der Betrachtung wird stets ausgeblendet, wie viel mehr gegen Gebärmutterhals- und Brustkrebs unternommen wird als für die Bekämpfung von Prostata- oder Hodenkrebs. Und außerdem sterben Männer eben fünf Jahre früher.

Die Menstruationsdebatte

Diese Debatte hat sich jüngst erweitert um das Thema Menstruation und Menstruationsurlaub. Auf WELT.de verstieg sich eine Autorin zu der Behauptung, dass viel mehr zum Thema Menstruation geforscht werde, wenn Männer menstruieren würden. Eine absurde These, wenn man bedenkt, wie viel besser Vorsorge und Forschung bei Brust- und Gebärmutterhalskrebs sind als bei Hoden- und Prostatakrebs. Oder dass die Urologen, die manchmal als „Männerärzte“ bezeichnet werden, eben nicht im gleichen Maße auf Männer spezialisiert sind wie Frauenärztinnen auf Frauen.

Interessant ist, dass hier niemand argumentiert, Menstruation sei keine Folge von Diskriminierung, sondern der Biologie. Das ist verständlich, schließlich haben sich die Frauen dieses Schicksal nicht ausgesucht und ohne Frauen gäbe es keine Kinder und damit auch keine Menschen. Aber Männer suchen sich ihre höhere Anfälligkeit für Herzinfarkte auch nicht aus. Es gibt keine befriedigende Erklärung, warum hier auf Frauen mehr Rücksicht genommen werden müsse, aber nicht auf Männer, wenn sie fünf Jahre früher sterben.

Der Vergleich der Debatten entlarvt die Doppelmoral

Auf die Leistungsunterschiede im Sport wird mehr Rücksicht genommen als auf die Geschlechtsunterschiede beim Thema Gesundheit. Es gibt eigene Sportwettkämpfe für Frauen und in den Schulen besondere Noten für Mädchen.

Wenn Männer bei der Gesundheit das schwache Geschlecht sind, heißt es nur „Pech gehabt“, „dumm gelaufen“. Bei einigen Krankheiten wie Herzinfarkten mag die Versorgung von Männern etwas besser sein, da Ärzte mehr Erfahrung mit ihnen haben. Das wird heftig kritisiert, Gleichbehandlung statt Rücksicht auf die Schwächeren gefordert.

Egal, wie man es dreht und wendet. Diese Unterschiede sind ein Zeichen von Doppelmoral. Wem eine tolle Erklärung einfällt, warum diese unterschiedlichen Standards gerecht seien, möge sie in die Kommentare schreiben.

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