Bierkrüge

Ist alkoholfreies Bier gesund?

Ist alkoholfreies Bier gesund? Das behauptet jedenfalls die BILD-Zeitung. Aber ist das was dran?

Bier und Boulevardzeitungen sind eine verhängnisvolle Kombination. „Was wir Franken schon immer ahnten: Bier macht schlau!“ titelte vor vielen Jahren schon die Nürnberger Abendzeitung. Angeblich hatten das US-Forscher herausgefunden. Die Zeitung wurde bereits vor zehn Jahren eingestellt, aber die Argumentation ist meistens die gleiche: Eine Studie mit dem gewünschten Ergebnis wird als Beweis für die These herangezogen. Dabei werden meist großzügig Einschränkungen übersehen, die in der Studie selbst gemacht werden. Wirklich aussagekräftig wären in solchen Fällen vor allem Meta-Analysen.

Vielleicht ist die Behauptung aber doch nicht ganz falsch

Im Fall des Beitrags in der BILD-Zeitung könnte allerdings die Behauptung richtig sein. Natürlich wird auch hier das Thema so präsentiert, dass die Zielgruppe den Beitrag anklickt. „Das tägliche Bierchen ist wirklich gesund“, lautet die Schlagzeile auf BILD.de. Erst im Untertitel wird ergänzt: „…aber es sollte alkoholfrei sein“.

„Unbestritten: Regelmäßiger Alkoholkonsum ist schädlich„, schreibt die Journalistin Miriam Ksoll. Da hat sie sicher recht. Freundlicherweise hat die Autorin auch ihre Quelle verlinkt, das Journal of Agricultural and Food Chemestry.

Der Studie zufolge führte der tägliche Konsum von 0,33 Litern Bier (also einer kleinen Flasche) nach vier Wochen nicht zu einer signifikanten Veränderung des Körpergewichts, erhöhte aber die Vielfalt der Darmflora. Auf diese Weise verbessert der Bierkonsum die Gesundheit. Ob das Bier alkoholisch (5,2 %) oder alkoholfrei war, spielte dabei keine Rolle. Allerdings hat Alkohol an vielen anderen Stellen negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

Bier erhöhte die Diversität der Darmmikrobiota, die mit positiven gesundheitlichen Auswirkungen in Verbindung gebracht wird, und erhöhten tendenziell die Aktivität der fäkalen alkalischen Phosphatase, einem Marker für die Funktion der Darmbarriere.

Marques, Cláudia; Dinis, Liliana; Mota, Inês Barreiros et al: Impact of Beer and Nonalcoholic Beer Consumption on the Gut Microbiota: A Randomized, Double-Blind, Controlled Trial

Wie gut ist die Studie?

Wie erwähnt lieben Boulevardzeitungen Schlagzeilen, die positive Effekte des Bierkonsums betonen. Tatsächlich scheint die Studie aber sorgfältig gemacht. Es handelt sich um eine randomisierte Doppel-Blind-Studie.

Was Randomisierung bedeutet

Randomisiert bedeutet, dass die Teilnehmer per Zufallsauswahl auf die verschiedenen Gruppen aufgeteilt wurden, also die Bier-Gruppe und die alkoholfreies-Bier-Gruppe. Diese Zufallsauswahl ist wichtig, weil sonst ohnehin gesund lebende Menschen sich vielleicht eher der Abstinenzler-Gruppe zuordnen würden, während sorglose Zeitgenossen zum Bier greifen.

Doppel-Blind-Studie

Bei einer Doppel-Blind-Studie wissen weder die Teilnehmenden noch die Ärzte, wer welches Getränk bekommen hat. Das ist etwa bei Medikamenten-Tests wichtig, denn der Placebo-Effekt sorgt sonst dafür, dass die Medikamenten-Gruppe auch dann gesünder wird, wenn sie die Arznei nicht wirkt.

Hier kann man natürlich fragen, ob die Teilnehmer nicht am Geschmack erkennen, ob sie Bier oder alkoholfreies Bier trinken. Wichtiger ist in diesem Fall aber ohnehin, dass auch die Ärzte es nicht wissen, damit sie nicht der Alkohol-Gruppe pauschal eine schlechtere Gesundheit unterstellt.

Ob das stimmt, was die Nürnberger Abendzeitung hier behauptete? Von wann die Schlagzeile stammt, weiß ich nicht, es muss aber schon länger her sein. Die Zeitung gibt es seit 2012 nicht mehr.

Eine echte Kontrollgruppe, die also weder alkoholfreies noch alkoholisches Bier bekam, gibt es hier nicht. Das ist ein Nachteil, gleichzeitig aber ein lässliches Vergehen. Bei Medikamenten-Tests ist die Placebogruppe wichtig, denn Menschen werden auch ohne Medikamente gesund. Wäre es denkbar, dass die Darmflora beider Gruppen sich auch ohne Bier verändert hätte? Ganz ausgeschlossen ist es nicht, aber das Team rund um Claudia Marques erwartet das offenbar nicht.

Geringe Fallzahl

Ein weiterer Kritikpunkt ist die geringe Fallzahl. 22 Männer haben an dem Versuch teilgenommen, das ist wenig. Allerdings gehe ich davon aus, dass das Team geprüft hat, ob der Effekt stark genug ist, um auch bei so geringer Fallzahl signifikant zu sein.

Dass es sich bei den Versuchskaninchen ausschließlich um Männer handelt, ist für uns zunächst positiv, da wir ja über Männergesundheit sprechen. Ob man die Ergebnisse auf Frauen übertragen kann, müsste in einem weiteren Experiment untersucht werden.

Darum ist nur alkoholfreies Bier gesund

Tatsächlich kommt die Studie zu dem Schluss, dass es in Bezug auf die Darmflora keinen Unterschied macht, ob man alkoholisches oder alkoholfreies Bier trinkt. Die BILD-Zeitung hat aber dennoch recht, wenn sie einschränkt, dass nur der Genuss von alkoholfreiem Bier gesund sei. Denn die negativen Auswirkungen von Alkohol überwiegen sonst den positiven Effekt des Biers.

Grundsätzlich liegt eine kleine Flasche Bier noch innerhalb der WHO-Empfehlung. Allerdings spricht die Weltgesundheitsorganisation nicht mehr von risikolosem, sondern nur noch von risikoarmem Konsum. Außerdem empfiehlt sie mindestens zwei Tage ohne Alkohol. Und schließlich möchte man an anderen Tagen auch mal mehr als ein Bier trinken und sein „Budget“ nicht für die Darmflora ausgeben. Daher ist es richtig, wenn Deutschlands größte Boulevardzeitung einschränkt, dass nur alkoholfreies Bier gesund sein könnte. Und bevor man jetzt jeden Abend ein alkoholfreies Bier trinkt, sollten weitere Ergebnisse abgewartet werden.

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