Depression bei Männern: Symboldbild mit Klippe

Einsamkeit bei Männern: ein unterschätztes Problem

Gerade im Advent 2021 ist es schwierig einsam zu sein – und für Männer besonders. Der Winter ist generell nicht die beste Zeit, um alleine zu sein. Die lange Dunkelheit schlägt aufs Gemüt, doch im Advent wird es für viele Menschen noch schlimmer. Denn die Vorweihnachtszeit ist in der Vorstellung der meisten eine Zeit, die man am besten in der Familie verbringt.

Wenn in den Medien über Einsamkeit berichtet wird, stehen dabei meistens Frauen im Fokus. Männer, so das weitverbreitete Bild, sind je ohnehin am liebsten alleine und schauen Sport. Tatsächlich tun Männer das teilweise gerne, aber eben nicht nur. Und deshalb ist Einsamkeit bei Männern ein unterschätztes Problem.

Corona macht das Ganze noch schlimmer, denn viele Gemeinschaftsaktivitäten fallen jetzt weg, etwa Weihnachtsfeiern, Sportveranstaltungen oder Konzerte. Der Arzt David Braucher schreibt im Fachmagazin Psychology Today deshalb von einer „Pandemie männerlicher Einsamkeit“.

Eine Pandemie männlicher Einsamkeit?

Männer, so die These von David Braucher, knüpfen Beziehungen vor allem, während sie gemeinsamen Tätigkeiten nachgehen. Das ist etwa der Sportverein oder die Arbeit. Aber genau diese beiden Wege sind durch die Pandemie besonders stark eingeschränkt. Viele Sportvereine haben ihre Aktivitäten reduziert, ohnehin gehen viel Männer heute lieber ins Fitnessstudio oder setzen sich daheim auf den Ergometer, als im Verein Sport zu treiben. Die Unternehmen schicken immer mehr Mitarbeiter ins Homeoffice, womit auch diese Möglichkeit zum Austausch wegfällt.

Ein Winter, wie er früher einmal war: Christkindlesmarkt in Nürnberg, irgendwann vor 2020. Bild: Gerhard G. auf Pixabay.

Frauen sind von diesen Veränderungen natürlich ebenso betroffen – und auch sie leiden teilweise darunter. Im Durchschnitt sind sie aber enger mit Freundinnen verbunden und nutzen auch moderne Medien wie Messanger-Dienste stärker zum Austausch. David Braucher schreibt dazu:

[Frauen] werden ermutigt, auf Freunde zuzugehen und Beziehungen zu pflegen. Männer werden eher dazu erzogen, leistungsorientiert zu sein. Für sie sind Beziehungen oft nur von sekundärem Nutzen – ein Nebenprodukt gemeinsamer Aktivitäten wie Arbeit, Hobbys und Sport.

David Braucher in Psychology Today (im Original in englischer Sprache)

Männer haben oft den Anspruch stark zu erscheinen. Sie wollen nicht aufdringlich wirken, zumindest nicht, wenn es um Freundschaft geht. Denn das birgt immer auch die Gefahr, zurückgewiesen und verletzt zu werden.

Der Winter hat das Problem nicht nur deshalb verschärft, weil die Zahl der Corona-Infizierten stark angestiegen ist. Generell schlägt die längere Dunkelheit vielen Menschen – unabhängig vom Geschlecht – aufs Gemüt.

Was tun?

David Braucher schlägt in seinem Beitrag drei Schritte vor, die Männer tun müssen, nämlich

  1. Erkennen: Erkennen Sie, wie stark die Angst Schwäche zu zeigen, indem man auf andere zugeht, auch ein Produkt von Erziehung ist.
  2. Akzeptieren: Akzeptieren Sie den Wunsch nach Gemeinschaft. Sie stehen mit diesem nicht alleine, denn wir sind soziale Wesen.
  3. Handeln: Werden Sie aktiv. Viele anderen Männer werden sich freuen, wenn Sie auf diese zugehen und etwa eine gemeinsame Aktivität vorschlagen. Das kann für den Anfang auch erst mal gemeinsamer Sport sein.

Wie auf andere zugehen?

Der dritte Punkt ist der schwerste. Das richtige Vorgehen hängt natürlich auch von den Ausgangsbedingungen ab. Wer sich nach sozialen Kontakten sehnt, für den ist eine andere Vorgehensweise die richtige als für jemanden, der über Selbstmord nachdenkt. Hier ein paar Vorschläge: Raus an die frische Luft – das bringt zwar noch keine sozialen Kontakte, aber verbessert das Wohlbefinden. Hier ein paar Ideen:

  • Machen Sie es sich selbst einfach. Die Pandemie ist eine gute Begründung, um einen gemeinsamen Dauerlauf vorzuschlagen. Oder aktivieren Sie alte Freunde aus der Schulzeit. Fragen Sie Kollegen, wie es Ihnen im Homeoffice geht.
  • Auch wenn Vereine aktuell nur eingeschränkt aktiv sind, sind sie eine hervorragende Möglichkeit, um Kontakte zu knüpfen. Kirchliche Gruppen bieten sich an, wenn Interesse an religiösen Themen besteht.
  • Wenn die Gedanken zu dunkel werden, kann die Telefonseelsorge helfen. Sie ist unter den Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 bundesweit erreichbar. In großen Städten gibt es auch Vor-Ort-Angebote.
  • Keine Angst vor professioneller Hilfe. Wenn die psychische Belastung zu dauerhaft ist, sollte die professionelle Hilfe eines Psychologen oder einer Psychologin in Anspruch genommen werden.

Natürlich bieten all diese Möglichkeiten kein Patentrezept und kein Wundermittel. Das aber gibt es nicht, starten Sie in kleinen Schritten.

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