Corona im April: Männer überproportional stark betroffen

Der Impf-Effekt schwächt sich ab. Während die Zahl der Todesopfer im Februar und März jeweils deutlich niedriger lag als im Vormonat, gab es diesen Rückgang im April nicht. Die Zahl der Todesopfer lag zwar leicht unter denen des März, der umfasste in unserer Analyse 5 Wochen, sodass im Wochenschnitt sogar etwas mehr Menschen starben.

Dass zunächst vor allem Frauen geimpft wurden, zeigt sich aber in der Zahl der Todesopfer nach Geschlecht. Waren bis Anfang April 51,6 Prozent der Todesfälle Männer, waren es zwischen dem 6. April und dem 4. Mai 58,1 Prozent. Die Zahl der männlichen Todesopfer lag mit 3.773 ganze 38,7 Prozent höher als die der Frauen.

Zunahme der erfassten Corona-Todesfälle durchschnittlich pro Woche im jeweiligen Monat. Berechnet wurde jeweils zwischen dem 1. Dienstag im Monat und dem 1. Dienstag im Folgemonat. Daraus wurde ein Wochenschnitt errechnet, um die Monate vergleichbar zu machen, da manche Zeiträume vier, andere fünf Wochen umfassen (in diesem Fall 4 für alle Monate außer März, dort 5 Wochen).

Corona Todesopfer nach Geschlecht: zwei Anmerkungen

Genaue Zahlen zu den Todesfällen im April gibt es nicht, denn die Fälle werden nicht nach Todeszeitpunkt ausgewiesen. Das Robert Koch-Institut veröffentlicht lediglich kumulierte Zahlen, also die Gesamtzahl der bisher verstorbenen. Daraus lässt sich die Zahl der Todesopfer im April mit drei Einschränkungen berechnen:

  1. Die Zahlen können sinken, wenn sich bei der Validierung herausstellt, dass zunächst als Corona-Tote gezählte Menschen nicht an oder mit Corona gestorben sind. Beispielsweise lag am 6. April die Zahl der männlichen Corona-Opfer unter 10 um eine Person höher als am 4. Mai, da sich (mindestens) ein Verdachtsfall nicht bestätigt hatte. Solche Revisionen kann es auch in anderen Altersgruppen gegeben haben, sie wurden aber durch neue Todesfälle überlagert.
  2. Die Corona Todesopfer nach Geschlecht werden jeweils am Dienstag veröffentlicht. Daher berichte ich hier die Differenz zwischen dem 6. April und dem 4. Mai.
  3. Betrachtet man die Differenz zwischen dem ersten Dienstag im Monat und dem 1. Dienstag im Folgemonat kommt man im März auf fünf Wochen (2. März bis 5. April). Um diesen Effekt zu bereinigen habe ich die Monatswerte für die Betrachtung der Entwicklung auf Wochen heruntergerechnet, also im März durch 5, sonst durch 4 geteilt.

Corona Todesopfer im April

Enttäuschend ist, dass sich der Rückgang der Todesfälle nicht fortgesetzt hat. Ob das eine Folge aggressiverer Virusvarianten ist, bleibt aber abzuwarten. Fest steht, dass vom 2. März bis zum 6. April 6.710 Todesfälle hinzukamen, was im Wochenschnitt 1.342 Opfern entspricht. Vom 6. April bis zum 4. Mai waren es dagegen 6.494 und damit im Wochenschnitt 1.624 Fälle.

Corona Todesopfer nach Geschlecht

Von den 6.494 Opfern waren 3.773 Männer und 2.721 Frauen. Der Geschlechterunterschied liegt damit deutlich über dem langfristigen Durchschnitt, die Zahl der männlichen Opfer lag im April um 38,7 Prozent höher als die der weiblichen, bis April waren es nur 6,5 Prozent gewesen.

Differenzu30 30-u4040-u5050-u6060-u7070-u8080-u90ü90Gesamt 
Männer102973278692108712803143773
Frauen5102912529666211024872721
Gesamt1539102403988174923828016494

Zunahme der Geschlechterdifferenz Folge der Impfpolitik?

Ob diese Differenz anhält, bleibt abzuwarten. Sie war aber erwartbar, da in den ersten Monaten überwiegend Frauen geimpft wurden. So sind mehr als 60 Prozent der zunächst priorisierten über 80-Jährigen Frauen. Bei den in Heimen lebenden Menschen dürfte der Anteil noch höher sein. Gleichzeitig wurde der „Risikofaktor Mann“ nicht bei der Priorisierung berücksichtigt. Das gilt erstaunlicherweise auch, nachdem die Priorisierung deutlich verfeinert wurde.

Der Politikwissenschaftler und Autor Dr. Warren Farrell spricht daher von einer Gender Gap in Empathy, also einer geschlechtsspezifischen Empathielücke. Der Autor Ralf Bönt hat daher in der Wochenzeitung DIE ZEIT eine stärkere Berücksichtigung von Männern bei der Priorisierung von Impfungen gefordert. In dem Beitrag zur Impfpriorisierung von Männern sowie einem Interview mit dem WDR fordert er, die Mehrzahl der Impfungen an Männer zu vergeben.

Impfquote Grafik
Das Robert Koch-Institut erfasst die Impfungen nicht nach Geschlecht (oder veröffentlicht diese Daten zumindest nicht, auf meine Anfrage wurde nicht reagiert). Aber man kann davon ausgehen, dass von den vollständig geimpften Menschen in Deutschland rund 60 Prozent bis zwei Drittel Frauen sind .

Tatsächlich zeigt eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts, dass im Jahr 2020 geschätzt 60,1 Prozent der durch Corona vorzeitig verlorenen Lebensjahre auf Männer entfielen. Der Anteil ist zwar nur eine Schätzung, weil Vorerkrankungen bei der Berechnung nicht berücksichtigt wurden. Das aber betrifft beide Geschlechter. Der Anteil der Männer dürfte im Jahr 2021 außerdem höher liegen, wenn der oben beschriebene Trend anhält.

Eine ganz persönliche Einschätzung

Die Forderung von Bönt ist daher grundsätzlich richtig. Ich hätte aus Gründen der politischen Durchsetzbarkeit etwas zurückhaltender gefordert: 50 Prozent der Impfungen müssen jeweils für Männer reserviert sein. Damit hätte die Politik den Geschlechterunterschied zwar nicht bekämpft, aber zumindest nicht noch weiter erhöht. Und mit Blick auf eine Bundeskanzlerin Baerbock und die Position der Grünen zur Gender Gap bei der Lebenserwartung sollte das Thema Männergesundheit stetig vorgebracht werden. Es würde schon helfen, wenn die Gründe für die Übersterblichkeit von Männern wissenschaftlich vernünftig untersucht würde. Ein kleiner Teil der Gelder, die die Kranken- und Pflegeversicherung bisher für Frauen mehr ausgibt als für Männer würde schon reichen.

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