Bedeutung der Väter: Beispielbild Vater und Sohn

Die unterschätzte Bedeutung der Väter für die Gesundheit der Kinder

Heute ist Vatertag. Erfreulicherweise scheint die Bedeutung der Väter stärker im Bewusstsein zu sein, also noch vor zehn Jahren. Zumindest hat die Bedeutung des Vatertages – zumindest gefühlt – zugenommen. Im Kindergarten meines Jüngsten wird kein Muttertagsgeschenk mehr gebastelt, sondern ein gemeinsames Geschenk für beide Elternteile. Und auch die Supermarktkette REWE1 schickt mir Rezepte für Backideen zum Vatertag.

Auch das Statistische Bundesamt nimmt den Vatertag als Anlass für eine Pressemitteilung. Es berichtet darüber, dass der Anteil der Väter an den Elterngeldbeziehern von 21 auf 25 Prozent zugenommen habe. Dass es nicht mehr sind, hängt vor allem mit der kürzeren Bezugsdauer bei Männer zusammen. Drei von vier Antragsteller beziehen nur zwei Monate Elterngeld. Im Schnitt beziehen Männer 3,7 Monate Elterngeld, Frauen 14,5 Monate. Immerhin hat sich der Anteil der Väter, die länger als ein Jahr aus dem Beruf aussteigen seit 2015 verdoppelt, wenngleich auf niedrigem Niveau.

Die Bedeutung der Väter wird unterschätzt

Lange Zeit hieß es, ein Kind ohne Vater sein ein Halbwaise, ein Kind ohne Mutter dagegen ein Vollwaise. Diese Geringschätzung des Vaters hat weder den Frauen noch den Männern gutgetan – und schon gar nicht den Kindern. Das zeigen zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten.

Dem Gedicht aus dem Kindergarten merkt man noch an, dass es ursprünglich nur für Mütter gedacht war. Denn „die Allerbesten“ reimt sich nicht besonders gut auf „ganz feste“, wohl aber „die Allerbeste“. Das ist ein erfreulicher Fortschritt.

Bekanntermaßen ist gesund.men ja eine Seite zur Männergesundheit, deshalb will ich mich auf den Aspekt der Gesundheit beschränken, wobei es hier natürlich vor allem um psychische Gesundheit geht. So behauptet der Autor und Politikwissenschaftler Warren Farrell in der Zeitung USA Today, dass es in den USA eine Krise der Jungen gebe und dass die Abwesenheit der Väter dabei eine große Rolle spiele.2 Sein Buch „Boy Crises“ wurde in den USA ein Bestseller, auf Deutsch liegt das Buch allerdings nicht vor (In englischer Sprache als E-Book unter der ISBN 978 194 295 2725 bei Thalia erhältlich).

Studien zeigen die Bedeutung der Väter

Laut einer Studie, die im Journal of Marriage and Family veröffentlicht wurde, bedeutet eine Zunahme der vaterlosen Familien um ein Prozent in einer Wohngegend eine Zunahme von 3 Prozent bei den Gewalttaten von Jugendlichen. Natürlich sind solche Zahlen vorsichtig zu interpretieren, Drittvariablen können hier eine Rolle spielen. Beispielweise kann Armut gleichermaßen die Gewalt und die Vaterlosigkeit erhöhen. Allerdings wurden in der Studie solche Faktoren so weit wie möglich herausgerechnet.

Väter sind schon für sehr junge Kinder wichtig

Väter sind schon für ganz kleine Kinder wichtig. Hier herrscht oft noch die Meinung vor, dass kleine Kinder nur die Mutter bräuchten, da Männer schließlich nicht stillen können. Doch je weniger Interaktion ein Junge vor seinem sechsten Lebensmonat mit seinem Vater hat, desto geringer ist seine geistige Kompetenz, wie Warren Farrell erklärt.

Eine ganze Reihe von Problemen wie Selbstmord, Drogenüberdosis, Fettleibigkeit oder Videospielsucht lassen sich gut mit der Abwesenheit von Vätern erklären. Schon im Alter von neuen Jahren lassen sich bei vaterlosen Jungen kürzere Teleomere feststellen. Je kürzer diese schützenden Endkappen der Chromosomen sind, desto niedriger ist die Lebenserwartung.

Farrel behauptet deshalb, dass die größte Kluft zwischen erfolgreichen und erfolglosen Jungen in der Zukunft die Kluft zwischen denjenigen sein wird, die einen Vater haben, und denen, die keinen Vater haben.

Auch Frauen und Mädchen profitieren von engagierten Vätern

Auch für Mädchen ist die Abwesenheit des Vaters ein Problem, wenngleich nicht selben Ausmaß. Allerdings scheinen die Buben besonders unter der Abwesenheit des Vaters zu leiden, denn sie finden dadurch nur schwer Rollenvorbilder. Sie orientieren sich stattdessen an Filmhelden, die ein unerreichbares und überzeichnetes Bild von Männlichkeit propagieren oder gar an Terrorführern oder Kriminellen.

Frauen profitieren außerdem indirekt. Je mehr Väter sich engagieren, desto mehr Zeit bleibt Frauen für ihre Berufstätigkeit. Außerdem leiden unter drogensüchtigen und frustrierten jungen Männern auch die Frauen.

There is a straightforward solution to dad-deprivation. It is dad-involvement. Conservatives have long supported dad-involvement; and both feminists Betty Friedan and Gloria Steinem have said that mothers would not be equal at work until dads were equal in the home.

Warren Farrell

Warren Farrell schreibt, die Anwesenheit eines Vaters könnte Jungen dazu motivieren, ihre eigene Zukunft als „Vater-Krieger“ zu sehen statt als Terrorkämpfer oder Bandenkrieger.

Fixierung auf die Mutter nicht biologisch determiniert

Die Fixierung auf die Mutter lässt sich nicht biologisch herleiten. Das unterstreicht auch die naturwissenschaftliche Forschung. So ändert sich der Hormonhaushalt eines Mannes, wenn er Vater wird.3 Frauen mögen in praktisch allen Kulturen zwar im Durchschnitt (!) eine größere Begeisterung für kleine Kinder zeigen als Männer. Doch der Unterschied ist nur graduell. Und etwas weniger Begeisterung kann sogar positiv sein, man kann Kinder auch überbehüten.

Dass auch der Körper von Männern auf eine Vaterschaft reagiert ist kein Wunder, denn die geringe Rolle des Vaters ist ein modernes Phänomen. Vor allem die Industriegesellschaft, in der Väter stundenlang in Fabriken und Bergwerken schufteten, förderte die Fixierung auf die Mutter. In landwirtschaftlichen Gesellschaften ist der Vater präsenter. Noch mehr gilt das für traditionelle Jäger- und Sammler-Gesellschaften.4

Oft eine Folge von Scheidungen

Die Abwesenheit von Vätern ist oft eine Folge von Scheidungen. Zwar ist ein gemeinsames Sorgerecht mittlerweile die Regel, allerdings bedeutet das im Regelfall noch immer, dass die Kinder überwiegend bei der Mutter aufwachsen. Und falls es zu einem Gerichtsentscheid um das Sorgerecht geht, haben Mütter noch immer die besseren Karten. Einige Kanzleien werben ganz offen damit, dass sie im Auftrag ihrer Mandantinnen das gemeinsame Sorgerecht verhindern können.

In 92,2 Prozent der Fälle teilen sich heute beide Elternteile das Sorgerecht. Zu 89,7 Prozent wurde das von den Eltern gemeinsam so entschieden (es wurde also kein Antrag auf alleiniges Sorgerecht gestellt, hellgrau), deutlich seltener vom Gericht erzwungen (2,5 Prozent, dunkelgrau). In 6,9 Prozent hat die Mutter das alleinige Sorgerecht (hellgrau), wobei nicht unterschieden wird, ob der Vater das Sorgerecht nicht wollte oder nicht bekam). Nur in 0,6 Prozent hat der Vater das alleinige Sorgerecht (dunkelblau) und in 0,2 Prozent wurde das Sorgerecht für die Kinder unterschiedlich vergeben (rot). In 0,1 Prozent erhielten keiner der Eltern das Sorgerecht, sondern Dritte.

Allerdings würde es zu kurz greifen, die Schuld bei den Gerichten zu sehen. Auch bei Familien mit gemeinsamem Sorgerecht kann man oft das Phänomen beobachten, wie der Vater nach und nach immer unwichtiger wird. Das wird teilweise von den Müttern aktiv betrieben, teilweise ziehen sich die Väter aber auch aktiv zurück. Und nicht selten kommt beides zusammen. Einfach Schuldzuweisungen greifen hier deshalb nicht.

Vaterlosigkeit in Paaren

Aber auch in Paaren gibt es abwesende Väter, die beispielsweise in einer anderen Stadt arbeiten und ihre Kinder nur am Wochenende sehen. Teilweise ist das schlicht eine Notwendigkeit, weil der Arbeitsplatz am Ort verloren ging und ein Umzug an den neuen Arbeitsplatz nicht möglich ist oder von der Familie nicht gewünscht wird. Erstaunlich oft treten Väter aber auch relativ freiwillig den Dienst in der Fremde an. Bei manchen bekommt man den Eindruck, sie würden aus der Familie flüchten.

Ein Vater, der nur am Wochenende da ist, ist natürlich besser als gar kein Vater. Und – um es noch mal zu betonen – in manchen Fällen geht es wirklich nicht anders. Wer aber die Wahl hat, sollte es sich als Vater überlegen, ob er mit der Flucht am Ende nicht sogar sich selbst schadet. Denn eine Studie aus Schweden zeigt, dass Väter die lange in Elternzeit sind ihre Lebenszeit damit verlängern.

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  1. Affiliate-Link
  2. Farrell, Waren: Males at risik: ‚Boy crisis‘ of identity jeopardizes Amarica’s future, in USA Today, abgerufen am 11. Mai 2021 unter eu.usatoday.com/story/opinion/2019/04/07/males-risk-boy-crisis-identity-america-future-addiction-suicide-column/3331366002/
  3. Parianen, Franca: Hormongesteuert ist immerhin auch selbstbestimmt, Hamburg 2020, bei unserem Affiliate-Partner Thalia erhältlich
  4. Morris, Ian: Beute, Ernte, Öl – Wie Energiequellen die Gesellschaft formen, München 2020, bei unserem Affiliate-Partner Thalia erhältlich

Ein Kommentar

  • Alles was ich dazu zu sagen hätte wurde schon 10000te male gesagt. Hätte ich gewusst was für eine Diskriminierung auf mich als Vater zukommt, hätte ich mich NIE für ein Kind entschieden. Das Deutschland zu wenig Kinder hat, liegt auch genau daran, wie man hier mit den Vätern umgeht.

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