Armut verkürzt das Leben um bis zu 9 Jahre!

Menschen mit niedrigem Einkommen leben deutlich kürzer als wohlhabende Personen. Der Unterschied kann nahezu neun betragen, wie ein Bericht des Statistiker-Blogs zum Thema Armut und Übersterblichkeit zeigt.

Der Bericht stützt sich auf eine Auswertung des Robert-Koch-Instituts, das wiederum Daten des sozioökonomischen Panels ausgewertet hatte. Darin wurden – für Frauen und Männer getrennt – die Lebenserwartung der unterschiedlichen Einkommensgruppen verglichen. Wohlhabenden Männer (mehr als 150 Prozent des medianen Nettoäquivalenzeinkommens) leben demnach 8,6 Jahre länger als arme und armutsgefährdete Männer (weniger als 60 Prozent des mediane Nettoäquivalenzeinkommens). Wohlhabende Männer leben sogar länger als Frauen, die arm oder armutsgefährdet sind.

Dafür gibt es viele Gründe. Der Beitrag im Statistiker-Blog betont, dass man die Ursachen dafür nicht in erster Linie bei den Menschen mit niedrigem Einkommen selbst suchen darf, auch wenn Verhaltensunterschiede wesentlich zu diesem Unterschied beitragen. Oft sind diese aber auch ein Ausdruck von psychischem Stress, den ein niedriger sozioökonomischer Status mit sich bringt. Und dieser hängt stark mit dem Haushaltseinkommen zusammen.

Effekt bei Frauen geringer: Nur 4,4 Jahre Unterschied

Bei Frauen ist der Effekt deutlich schwächer, er liegt bei maximal 4,4 Jahren. Warum das so ist, ist bisher nur wenig erforscht. Es liegt allerdings die Vermutung nahe, dass es dafür vor allem drei Gründe gibt.

Zum einen den Umstand, dass Männer mehr als Frauen nach ihrem Einkommen bewertet werden und demnach stärker unter einem niedrigen sozioökonomischen Status leiden (der hier zwar nicht direkt erhoben wurde, aber stark mit dem Haushaltseinkommen zusammenhängt).

Hinzu kommt, dass Menschen mit niedrigem Einkommen häufiger in gesundheitsgefährdenden Berufen arbeiten. Das trifft Männer deutlich stärker als Frauen.

Vor allem aber werden klassische Rollenbilder in den oberen Einkommensschichten stärker hinterfragt. Das Gesundheitsverhalten nähert sich stärker dem der Frauen an.

Natürlich überschneiden sich alle drei Bereiche, etwa wenn Männer mit niedrigem Einkommen unter ihrer Situation psychisch leiden, aber keine Hilfe suchen.

Mögliche weitere Effekte

Es sind aber auch noch andere Gründe denkbar. Angesichts der ohnehin hohen Bedeutung des Themas Gesundheit für Frauen gibt es für sie weniger Optimierungsmöglichkeiten. Das bedeutet, auch wenn wohlhabende Frauen sich mehr um ihre Gesundheit sorgen als ihre armutsgefährdeten Geschlechtsgenossinnen, hat das geringere Auswirkungen als bei Männer, weil das Gesundheitsbewusstsein insgesamt höher ist. Vereinfacht gesagt: Ein Mann, der fünf Bier pro Woche statt 20 trinkt, hat mehr für seine Gesundheit getan als eine Frau, die gar keines statt eines trinkt.

Außerdem sind Männer immer noch meist die Hauptverdiener. Es gibt bei Männern deshalb stärker auch den umgekehrten Effekt, dass nicht Armut zu Krankheit, sondern Krankheit zu Armut führt. Wer schwer erkrankt ist, kann dann beispielsweise nicht mehr arbeiten und wird arm. Auch ein indirekter Effekt ist denkbar, dass disziplinierte Menschen erfolgreicher und gleichzeitig gesünder sind. Das alles trifft auch für Frauen zu, weil Männer aber häufig die Hauptverdiener sind für sie besonders stark.

Studie zeigt hohen Einfluss des sozialen

Die Studie widerspricht all jenen, die die Lebenserwartung als rein biologisch determiniert sehen. Auch wenn es biologische Effekte gibt, wie auch bei der Covid-19 Pandemie deutlich wird, ist das soziale Umfeld sogar noch wichtiger. Oft liest man, dass die Lebenserwartung zu 75 Prozent vom individuellen Verhalten abhängt (natürlich nur im Durchschnitt, man kann gesund leben und trotzdem an Krebs erkranken).

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