APA ändert Leitbild zur „toxischen Männlichkeit“

Für ihre negative und abwertende Sichtweise von Männlichkeit war die Abteilung 51 der American Psychological Association (APA) (Society for the Psychological Study of Men and Masculinities, SPSMM) stark kritisiert worden. Jetzt hat die Abteilung ihr Leitbild deutlich überarbeitet und verzichtet in weiten Teilen auf eine pauschal negative Sichtweise von Männlichkeit. Allerdings bleibt ein kritischer Blick auf die eigene Rolle immer wichtig

Empirie statt Ideologie

Aus der neuen Aufgabenstellung der Society for the Psychological Study of Men and Masculinities sind einige Vorannahmen entfernt worden. Dazu gehört der Vorsatz, die „kritische Untersuchung der Art und Weise fördert, wie das Geschlecht das Leben von Männern formt und einengt“. Stattdessen will die Abteilung jetzt die „evidenzbasierte psychologische Praxis und die empirische Untersuchung der Beziehung zwischen Geschlechterrollen und der körperlichen und emotionalen Gesundheit von Männern und Jungen“ fördern.

Mehr empirische Fundierung ist in meinen Augen meistens eine gute Idee. Grundsätzlich ist des dabei zulässig, mit bestimmten Vorannahmen und Vorurteilen an ein Thema heranzutreten, solange die Untersuchung so konzipiert ist, dass die entsprechenden Theorien auch widerlegt werden können.

Kritische Betrachtung von Geschlechternormen ist nicht per se negativ

Ein kritischer Blick auf etablierte Vorstellungen von Männlichkeit ist sinnvoll. Die Welt hat sich geändert und einige Verhaltensweisen haben deshalb heute mehr negative als positive Auswirkungen. Weniger weil, wie häufig kolportiert, heutige Männlichkeitsnormen die Folge einer männlichen Weltverschwörung wären, sondern weil sie für Gesellschaften entwickelt wurden, die es heute kaum noch gibt. Die Bereitschaft von Männern, auf Baustellen, in Bergwerken oder im Krieg ihr Leben zu opfern, ist im Jahr 2022 – trotz des aktuellen Kriegs in der Ukraine – weit weniger wichtig. Deshalb dürfen und müssen Normen wie „ein Junge weint nicht“ auch weiter hinterfragt werden. Zumindest in Deutschland ist die letztgenannte Aufforderung auf dem Rückzug, wie ein Blick auf jeden Kinderspielplatz zeigt.

Allerdings wäre es falsch, deshalb alle Formen von Männlichkeit zu verteufeln. Erst recht war es problematisch, dass die APA Probleme von Männern vor allem als Folge des Patriarchats gesehen und vor der Vielfältigkeit von Ursachen ihre Augen verschlossen hat. Deshalb ist die Änderung der Leitlinien eine Chance.

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